27.01.2016

Gedenkstunde im Alten Linzer Rathaus

Auditorium

Cornelius Obonya bei Internationalem Holocaust-Gedenktag in Linz

Auf Einladung der Österreichischen Freunde von Yad Vashem hielt „Jedermann“-Darsteller Cornelius Obonya am 27. Jänner im Alten Linzer Rathaus eine Lesung. Anlass war der Internationale Holocaust-Gedenktag der Vereinten Nationen. Der vielseitige Schauspieler trug dabei zwei gegensätzliche Texte vor:  Einserseits Auszüge aus Henry Pickers „Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier“, andererseits Abschnitte aus Britta Pawelkes Berichtesammlung „Als Häftling geboren“. Im randvollen Pressezentrum des Alten Rathauses nahmen mehr als 130 Besucher an der Gedenkstunde teil, unter ihnen der Linzer Bürgermeister Klaus Luger, Vizebürgermeister Bernhard Baier, LTgAbg. Severin Mayr und IKG-Präsidentin Dr. Charlotte Herman.

Berichte: Georg Schuster

Günther Schuster

In solch turbulenten Zeiten ein Gedenken an längst vergangene Ereignisse zu halten, sei nicht allen verständlich, so der Vorsitzende der Österreichischen Freunde von Yad Vashem, Günther Schuster. Die Gegenwart biete vielen Menschen genügend düstere Nachrichten. Doch das Erinnern sei nötig, um einer Wiederholung der Geschichte entgegenzuwirken. An den damaligen NS-Verbrechen tragen die Menschen heute in Österreich keine Schuld – aber die Verantwortung, es besser zu machen.

Berhard Baier

Der Linzer Vizebürgermeister Bernhard Baier bezeichnete das Gedenken als wichtige, aber unheimlich schwierige Aufgabe. Die zeitliche Distanz berge die Gefahr, dass sich Vergessen einschleiche; Die Erinnerung schleife sich ab. Auch wenn in der Vergangenheit viel Erinnerungsarbeit geleistet wurde, so dürfe man doch keine Sekunde lang meinen, dass die Arbeit getan wäre.

Klaus Luger

Bürgermeister Klaus Luger zog Parallelen zum Heute: Damals wie heute hatten die Menschen Angst, damals wie heute kam es auch zu pauschalen Verunglimpfungen und zur Stigmatisierung ganzer Gruppen. Heute sei eine massive Aggression in der Bevölkerung spürbar, und die Verunglimpfung sei wieder alltagstauglich geworden: etwa wenn Muslime öffentlich als potenzielle Kinderschänder und Sodomisten bezeichnet werden. Der Weg liege aber im gegenseitigen Respekt und nicht im Ausgrenzen.

Cornelius Obonya

Charakterdarsteller Cornelius Obonya verlieh den beiden gegensätzlichen Texten seiner Lesung eine besondere Spannung: Einerseits die Abgehobenheit, in der ein „Führer“ mit ein paar Handbewegungen über das Schicksal von Millionen Menschen entschied. Andererseits die unmittelbaren Auswirkungen seiner Entscheidungen, die in unglaublicher Brutalität vollzogen wurden – am Beispiel von Kindern, die im Konzentrationslager Ravensbrück in die Gefangenschaft hineingeboren wurden. In besonders starker Form kam hier auch zum Ausdruck, wie der einen Jugend strahlende Zukunft eingeräumt wurde, während man die andere Jugend emotionslos tötete oder sterben ließ. 

KleLi-Linzer Klezmer

Die sehr bewegende Lesung wurde von einer Präsentation historischer Fotografien begleitet und vom Linzer Klesmer-Ensemble musikalisch einfühlsam umrahmt.