01.03.2018

Bundespräsident bei Jubiläum der Österreichischen Freunde von Yad Vashem

630 Mitglieder und prominente Gäste aus dem In- und Ausland fanden sich am 1. März 2018 anlässlich der Generalversammlung der Österreichischen Freunde von Yad Vashem im Festsaal des Wiener Rathauses ein. Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen wurde bei der Mitgliederversammlung zum 15jährigen Bestehen des Freundeskreises als Ehrengast begrüßt. Die Festrede hielt der allseits bekannte Journalist, Politik- und Geschichtsexperte Prof. Dr. Hugo Portisch, der für seinen fundierten und bewegenden Vortrag „standing ovations“ erntete.

Auch zahlreiche prominente Gäste waren der Einladung gefolgt: Justizminister Dr. Josef Moser, Staatssekretärin Mag. Karoline Edtstadler - in Vertretung des Bundeskanzlers, die Botschafter aus acht verschiedenen Ländern, Nationalrats- und Landtagsabgeordnete, die GeneralsekretärInnen des National- und Zukunftsfonds, die gesamte Spitze der Nationalbank – allen voran Gouverneur Dr. Ewald Nowotny - sowie Arbeiterkammerpräsident Rudolf Kaske und ÖGB-Präsident Erich Foglar. Neben den betagten Überlebenden der Shoah nahmen auch 200 SchülerInnen und ihre Professoren an der Generalversammlung teil.

Als Vertreter des Wiener Bürgermeisters hielt Stadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny die Begrüßungsrede. Er betonte, dass die Erinnerung an den Holocaust mehr als nur eine historische Schuldigkeit sei. Es zähle zu den täglichen politischen Aufgaben, Antisemitismus zu bekämpfen und Diskriminierung zu verhindern.

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Der Vorsitzende des Freundeskreises, Günther Schuster, versicherte, dass man sich in die Debatte einmischen werde, wenn es um die Mitverantwortung Österreichs an der beispiellosen Ermordung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden gehe. Selbst wenn die Mehrheit der jetzt lebenden ÖsterreicherInnen nichts mit dem Holocaust zu tun gehabt habe, so sei es unsere Geschichte, aus der man sich nicht ausklinken könne.

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Israels Botschafterin Talya Lador-Fresher schilderte ihre früheren Erlebnisse mit Staatsgästen in Yad Vashem – wie etwa den Besuch eines Königs, der vor einer Zeichnung weinte oder den eines Präsidenten, der sich niederkniete. Der für sie bedeutendste Ort in Yad Vashem sei der Balkon am Ende des Museums: Man komme aus der dunklen Vergangenheit und trete in das sonnige Licht des heutigen Israel, das sich trotz ständiger Bedrohung zu einem optimistischen Land entwickelte.
Die Botschafterin dankte dem österreichischen Freundeskreis und seinen Vorsitzenden für ihre langjährige Arbeit.

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Dr. Hugo Portisch spannte in seiner Festrede einen Bogen von der Ersten Republik ins Heute. In seiner unnachahmlich fesselnden Art schilderte er die Ereignisse, die die Österreicher vor 1938 in doppelter Weise auf den Anschluss ans Deutsche Reich konditioniert hatten: Einerseits die Not der Ersten Republik, die nicht an sich selbst glaubte und ihr Heil von Anfang an in einer Vereinigung mit Deutschland sah und andererseits den politischen Antisemitismus, den ausnahmslos alle Parteien seit der Gründung der Republik kultiviert hatten.

Diese Erste Republik sei eine Brutstätte gewesen – sowohl für den Anschluss an das Deutsche Reich als auch für die Vernichtung der Juden. Als der Nationalsozialismus kam, hätten die Österreicher dann bitter erfahren, was dieser bedeutete: einen totalen Herrschaftsanspruch mit allen diktatorischen Maßnahmen und dann natürlich den Krieg, der zehntausende Österreicher das Leben kostete. In Österreich wurde jahrelang jede Mitverantwortung an den Verbrechen des Nationalsozialismus und an den Gräueln des Hitler-Regimes geleugnet. Man habe keinen Grund für ein Schuldbekenntnis gesehen, denn die Alliierten hatten ja gesagt: „Ihr wart das erste Opfer“.

Der spätere Bundeskanzler Dr. Franz Vranitzky hielt eine ungeheuer wichtige und bemerkenswerte Rede vor dem versammelten Parlament, in der er die Mitverantwortung Österreichs einbekannte: „Wir Österreicher waren mitbeteiligt auf allen Ebenen.“

Dr. Portisch würdigte in seinem Vortrag auch die Arbeit der Österreichischen Freunde von Yad Vashem. Diese sei wichtig, denn die Augenzeugen der Konzentrations- und Vernichtungslager sterben langsam weg. 

Die versammelten Gäste feierten den Festredner mit frenetischem Beifall und minutenlangen Standing Ovations.

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