Yad VaShem

"Ihnen allen errichte ich in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal, einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der niemals ausgetilgt wird." (Jes. 56,5)

Yad Vashem, die Staatliche Gedenkstätte der Märtyrer und Widerstandskämpfer des Holocaust, wurde 1953 durch einen Beschluß des israelischen Parlaments, der Knesset, gegründet. Die Stätte hat die Aufgabe, der sechs Millionen jüdischen Männer, Frauen und Kinder zu gedenken, die von den Nationalsozialisten und ihren Kollaborateuren zwischen 1933 und 1945 ermordet wurden. Sie erinnert darüber hinaus aber auch an die Tapferkeit und Standhaftigkeit der jüdischen Partisanen und Kämpfer in den Ghettoaufständen sowie an die Taten der „Gerechten unter den Völkern“ (Nichtjuden, die das Leben von Juden gerettet haben).

Die Gedenkstätte Yad Vashem und das ihr angeschlossene Institut liegen auf dem "Berg der Erinnerung" (hebr. har ha-zikaron), einer Hügelkette an den westlichen Ausläufern Jerusalems. Zu dem Komplex gehören verschiedene Denkmalsstätten, ein historisches Museum, ein Zentralarchiv und ein Forschungszentrum zur Dokumentation des Holocaust.

Yad Vashem hat die Aufgabe, die Erinnerung an den Holocaust und seine Lehren für zukünftige Generationen wachzuhalten und zu wahren.

Die zentralen staatlichen Veranstaltungen zum Holocaust-Gedenktag finden in Yad Vashem statt. Dieser Gedenktag fällt nach dem jüdischen Kalender auf den 27. Nisan, den Jahrestag des Beginns des Warschauer Ghettoaufstandes im Jahre 1943.

Halle der Erinnerung

Das zentrale Denkmal in Yad Vashem ist die "Halle der Erinnerung" (ohel yizkor). Der schlichte Bau aus Betonmauern mit einem niedrigen, zeltartigen Dach ist - abgesehen von einer Ewigen Flamme in seiner Mitte - leer. Auf dem schwarzen Basaltfußboden stehen die Namen der 21 NS-Vernichtungslager, Konzentrationslager und Tötungsstätten in Mittel- und Osteuropa. Eine Krypta vor der Ewigen Flamme birgt die Asche von Opfern.

Der Zugang zur "Halle der Erinnerung" ist von Bäumen gesäumt, die zu Ehren nichtjüdischer Männer und Frauen - zu Ehren der "Gerechten unter den Völkern" - gepflanzt wurden, die unter Gefährdung ihres eigenen Lebens versucht haben, Juden vor den Verfolgungen im Holocaust zu retten. Einige der Bäume erinnern an christliche Geistliche, darunter an einen franziskanischen Priester aus Assisi, den Bischof der griechischen Insel Zakinthos, eine polnische Nonne in Litauen und einen französischen protestantischen Pfarrer. Mehr als 16.000 Personen sind mit dem Titel eines "Gerechten unter den Völkern" geehrt worden.

Nahezu 1,5 Millionen Kinder haben ihr Leben im Holocaust verloren. Ihrer wird an einer besonderen Denkmalsstätte gedacht, einem unterirdischen Gewölbe, in dem die flackernden Flammen von Gedenkkerzen in einer Unendlichkeit winziger Lichter in absoluter Finsternis reflektiert werden.

Wichtiges Element von Yad Vashem ist das historische Museum, das die Geschichte des Holocaust durch Fotografien, Objekte, Dokumente und mit Hilfe audiovisueller Techniken erläutert. Die Darstellung ist chronologisch geordnet und zeigt die Entwicklung der antijüdischen NS-Politik von der Verfolgung über die Ghettoisierung bis hin zum systematischen Massenmord. Die Ausstellungsobjekte erzählen auch die Geschichte des jüdischen Widerstands im Holocaust und weisen auf Mut und Standhaftigkeit der jüdischen Partisanen hin.

Das Yad-Vashem-Archiv enthält die weltweit größte und umfangreichste Sammlung zum Holocaust. Die Bestände des Archivs umfassen 55 Millionen Dokumentenseiten, nahezu 100.000 Fotografien, ungeschnittenes Filmmaterial sowie Videoaufnahmen persönlicher Zeugnisse von Überlebenden. Die Bibliothek besitzt mehr als 80.000 Titel, Tausende von Zeitschriften und eine große Anzahl seltener Dokumente.

Das Internationale Institut für Holocaust-Forschung in Yad Vashem koordiniert und unterstützt Forschungsprojekte auf nationaler und internationaler Ebene, organisiert Konferenzen und Kolloquien und veröffentlicht eine Vielzahl wichtiger Arbeiten zum Holocaust, darunter Memoiren und Tagebücher. Bisher hat das Institut 18 Bände einer auf 32 Bände angelegten "Enzyklopädie der Gemeinden" publiziert. Dieses Werk ist ein historisch-geographisches Kompendium aller jüdischen Gemeinden, die von den Nationalsozialisten und ihren Kollaborateuren ausgelöscht wurden.

Erziehung

Eine wesentliche Aufgabe von Yad Vashem liegt im Bereich der Erziehung. Die Internationale Hochschule für Holocaust-Studien führt jährlich Kurse für über 100.000 Studierende, 50.000 Soldaten und Tausende von Pädagogen durch. Kurse für Lehrer werden in Hebräisch und sieben weiteren Sprachen angeboten. Die Hochschule entsendet ihre hochqualifizierten Mitarbeiter auch ins Ausland, um dort Wissen und Bildung über den Holocaust mitzutragen und zu fördern.

Auch das Österreichische Bundesministerium für Unterricht und Kunst bietet diese Möglichkeit speziell für Lehrer an. Ebenso besteht die Möglichkeit, als Zivildienstersatz den sogenannten „Gedenkdienst“ in Jerusalem zu leisten.